Lords of Hellas

#1 Miniaturen bemalen – Monumente für Anfänger

Lords of Hellas beinhaltet ein paar wirklich großen Miniaturen. Diese mehrteiligen Monumente sind zwar auch unbemalt schon sehr hübsch anzusehen, es bedarf allerdings nur ein wenig Zeit und Farbe um daraus wirklich ansehnliche Bauwerke zu erschaffen.

Ein Hinweis in eigener Sache: Ich bin Anfänger – ein sogenanten Miniaturen-Padawan! Ich habe keine Ahnung – und davon viel – wenn es um das Bemalen von Minaturen angeht. Es gibt da draußen wahre Künstler und eine Menge Brettspieler die es wirklich drauf haben. Ich probiere einfach nur ein bisschen herum...

 

Lord of Hellas Monumenten eine Steinoptik verpassen

Letzte Woche habe ich seit langer Zeit mal wieder zu Pinsel und Farbe gegriffen...

Und nachdem mich jetzt ein paar Leute danach gefragt haben, wie ich denn den Monumenten von Lord of Hellas – einer Kickstarter Kampagne von Awaken Realms – diese Steinoptik verpasst habe, wollte ich Euch das Ganze mal ganz kurz beschreiben.

Wie schon erwähnt war dies im Grunde recht einfach und lässt sich bestimmt noch besser lösen, aber für den geringen Zeitaufwand den ich betrieben habe finde ich das Ergebnis doch sehr gelungen.

Also – was habe ich gemacht?
Ganz kurz der Reihe nach...

 

 

1. Miniaturen vorbereiten – Waschen, bürsten, fönen

Das trifft natürlich auf alle Miniaturen zu, welche Ihr bemalen möchtet. Sicher wisst Ihr das schon, aber der Vollständigkeit halber sei es nochmal erwähnt. Da die Kunstoffminiaturen produktionsbedingt diverse Rückstände aufweisen können, welche den Farbauftrag unter Umständen negativ beeinflussen, solltet Ihr alle Miniaturen vorher gründlich mit warmen Seifenwasser und einer alten Zahnbürste reinigen. Die Profis greifen jetzt noch zu einer Feile und entfernen eventuell vorhandene Gussgrate* oder füllen Lücken in der Figur mit Greenstuff ** – aber ich bin ja kein Profi.

Tipp: Falls Eure Miniaturen etwas verbogen sein sollten, ist dies eine gute Gelegenheit sie mit heißem Wasser wieder in Form zu bringen. Die erwärmte Figur (Föhn geht auch) kann danach vorsichtig in die richtige Position gebogen werden. Dies kann bei krummen Waffen oder Bases oftmals schon die Lösung sein. Wenn Ihr sie danach wie ein gekochtes Ei abschreckt, sollten Sie die optimierte Position beibehalten. Für den Fall das Eure Miniatur aber wirklich defekt sein sollte, einfach den Kundendienst Eures Spiel anschreiben – die sind in der Regel sehr kulant.

Danach könnt Ihr die Miniaturen schon mal mit einer Küchenrolle oder einem Handtuch grob abtupfen und dann vollständig trocknen lassen. Zeit für ein Kaltgetränk.

 

2. Miniaturen grundieren - Den Grundstein legen

Nach dem Trocknen habe ich die Figuren zuerst grundiert – das macht man, damit die Farben besser halten und man eine gute Grundlage für den weiteren Farbauftrag hat. Ich habe hier ein Grundierungsspray von Army Painter genommen. Da gibt es aber viele Hersteller die so etwas anbieten und die sich auch in ihrer Farbe zur Grundierung unterscheiden. Ich habe weiß genommen, da meine Monumente ja tendenziell eher hell werden und ich irgendwo mal gelesen habe, dass weiß als Grundierung dafür sorgt dass man die Details der Figur besser erkennen kann.

Also raus an die frische Luft und die Miniatur in einen seitlich aufgestellten Karton gepackt – das hat den Vorteil dass man nicht seine Gartenmöbel etc. versehentlich mitgrundiert. Wenn Ihr eine Werkstatt oder so Euer Eigen nennt, müsst Ihr eventuell nicht so genau aufpassen. Bei kleineren Figuren fixiere ich diese gerne noch mit doppelseitigem Klebeband auf einem Stück Pappe. Das hat den Vorteil, dass ich diese nicht versehentlich umsprühe – die Monumente stehen da allerdings wie ein Fels in der Brandung – also keine Sorge...

Luft anhalten. Dann die Miniaturen aus ca. 20 cm Entfernung einsprühen – dabei aber darauf achten dass Ihr da nicht übermotiviert mit Dauerfeuer drauf haltet. Sonst gehen Euch die Details verloren und Ihre habt am Ende nur noch einen formschönen Monolithen. Die Figur zwischendurch drehen und auch mal im Winkel von oben und unten ansprühen. Jetzt wieder ausatmen.

Tipp: Irgendwo habe ich gelesen, dass das mit der Spraygrundierung etwas problematisch ist wenn die Luftfeuchtigkeit extrem hoch oder niedrig ist. Behaltet das mal im Hinterkopf wenn es nicht so gut klappen sollte.

Wenn Ihr alle Figuren grundiert habt, solltet Ihr die Spraydose auf den Kopf drehen und sprühen bis keine Farbe mehr entweicht – dann kommt nur noch das Treibmittel raus. Was das soll? Dadurch soll ein Verstopfen der Düse vermieden werden – sagt man sich. Zeit für ein Kaltgetränk.

 

3. Miniaturen schattieren – Mehr Tiefe im Detail

Jetzt wird ein sogenannter Wash aufgetragen, damit die Figur mehr Tiefe erhält. Dieser recht dünnflüssige Shader läuft dabei in alle Vertiefungen und Details der Figur und dunkelt diese ab. Ich habe hier den Zombicide Black Plaque Shader verwendet und diesen erstmal recht großzügig mit einem Borstenpinsel aufgetragen. Natürlich kann man auch andere Shader verwenden. Man lässt das Ganze 2-3 Minuten einwirken und fängt dann an, mit dem abgetupften Pinsel die überschüssige Farbe wieder wegzunehmen. Man bekommt da recht schnell ein gutes Gefühl dafür wo man nochmal nachdunkeln muss oder wo die Schatten eventuell reduziert werden müssen.

Danach muss man die Figur auf jeden Fall gut trocknen lassen. Ich ersten Moment kam mir die Figur fast schon zu dunkel vor, dass hatte sich bei mir dann aber später relativiert. Also nicht beunruhigen lassen! Vielleicht funktioniert hier aber auch ein anderer Shader noch besser, die sind ja teilweise auch auf Basisfarben abgestimmt. Zeit für ein Kaltgetränk.

 

4. Miniaturen aufhellen – Das Spiel von Licht und Schatten

Wenn der Wash gut getrocknet ist können wir anfangen die erhabenen Stelle und Kanten wieder aufzuhellen. Die Technik nennt sich Trockenbürsten und erfolgt mit einem Borstenpinsel und sehr wenig Farbe. Also ein wenig weiße Farbe auf den Pinsel gepackt – wirklich wenig – und den Pinsel danach 1-2 mal auf dem Handrücken abgestreift bis kaum noch Farbe zurückbleibt. Danach kann man ziemlich impulsiv über die Kanten der Figur "bürsten" – der Farbauftrag ist dabei sehr dezent und erhellt primär die Kanten und erhabenen Stellen. Das wiederholt man bis man alle relevanten Stellen aufgehellt hat. Hier kann man relativ wenig falsch machen, man muss nur darauf achten dass man nicht zu viel Farben auf dem Pinsel aufträgt. Es geht hier wirklich nur um Nuancen und nicht um deinen wirklichen Farbauftrag.

Spätestens hier war ich begeistert und überrascht mit wie wenig Aufwand doch ein akzeptables Ergebnis erzielt werden konnte. Natürlich könnte man jetzt noch Details herausarbeiten aber ich fand meine Monumente so eigentlich schon ganz stimmig.

 

5. Miniaturen versiegeln – Glanz und Gloria für die Ewigkeit

Um die Miniatur zu schützen, damit keine Farbe abblättert oder Chips-getränkte Finger Ihre Spuren auf den Monumenten hinterlassen empfiehlt sich die Miniatur am Ende mit einem Spray zu versiegeln. Hier habe ich an der frischen Luft nochmal das matte Spray von Army Painter verwendet und die Figur von allen Seiten kurz eingesprüht.

Ihr seht, der Aufwand war wirklich überschaubar.

Würde mich mal interessieren wie Eure Monumente so aussehen. Falls ich den ein oder anderen inspirieren konnte, freut mich das. Ansonsten bin ich für jede Anregung und jeden Profi-Tipp dankbar. Und jetzt aber wirklich – Zeit für ein Kaltgetränk.

 

* Gussgrate sind produktionsbedingte aber unerwünschte Kanten an Miniaturen, die sich durch die Gussformen oder das manuelle Entfernen aus einem Gussrahmen ergeben.

** Greenstuff ist eine Zweikomponenten-Modelliermasse um kleine Lücken bei den Miniaturen zu schließen oder auch zusätzliche Details zu modellieren.

Das sagt der Leif dazu...

„Bemalte Miniaturen sehen einfach gut aus und die Atmosphäre beim Spielen kann dadurch wirklich verstärkt werden. Man darf aber auch nicht verleugnen, dass es einiges an Zeit und Geduld erfordert seinen Miniaturen ein farbiges Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Umso mehr bin ich begeistert, dass es mir mit vergleichbar geringen Aufwand gelungen ist den Monumenten von Lords of Hellas ein wenig "versteinertes" Leben einzuhauchen... Der Aufwand ist überschaubar und das Ergebnis wirklich sehenswert. Zur Nachahmung empfohlen!“

Ich wollte die Monumente bewusst recht schlicht halten und nicht groß mit Farben arbeiten, da es sich nach meinem Verständnis "nur" um Steingebilde und keine wirklichen Personen handelt. Im Internet habe ich schon unterschiedliche Interpretationen der Monumente gesehen. Das Schöne aber ist ja, dass hier jeder seine persönliche Vorstellung zum Ausdruck bringen kann.

Habt Ihr Eure Monumente schon bemalt? Dann würde ich mich über ein paar Impressionen und Anregungen freuen – hier oder bei Facebook!