SHI

Band 1: Am Anfang war die Wut...

SHI ist der erste Band einer als Vierteiler ausgelegten Reihe – erschienen im Splitter Verlag – welche die bildgewaltige Geschichte zweier jungen Frauen erzählt, die sich unvermittelt als Feinde des herrschenden Systems wiederfinden.

Was uns Zidrou – der mich zuletzt als Autor von „Die Adoption“ überzeugen konnte – und Homs hier abliefern ist ein sehr bild- und textgewaltiges Abenteuer, welches zur Zeit der ersten Weltausstellung 1851 in London spielt. Eigentlich ist das so aber auch nicht ganz richtig, denn wie man als Leser schnell feststellt spielt die Geschichte in mehreren Zeitepochen...

© SPLITTER Verlag

Auf Anhieb haben mich die detaillierten Zeichnungen von Homs begeistern können. Was mir dabei wirklich sehr gut gefällt ist das Spiel mit den Farben. Je nach Szene wirkt die Farbgebung fast schon duplex-artig* und unterstreicht dadurch zusätzlich Dramatik und Tempo der Erzählung.

Von Unrecht, Wut & Rache

Das Thema der Geschichte kommt dabei zuerst recht geheimnisvoll daher. Zu Beginn wird der Unternehmer Lionel Barrington vorgestellt, der sich unter anderem für die Produktion von Anti-Personen-Minen verantwortlich zeigt und der vor Gericht gerade einen entscheidenden Sieg gegen Human Rights Watch und Handicap International errungen hat.

Die Szene endet ebenso abrupt wie überraschend und wechselt dann zu einer zweiten Erzählebene welche eine wilde Verfolgungsjagd darstellt. Wer dabei verfolgt wird und aus welchem Grund dies geschieht bleibt vorerst im Dunkeln und lässt den Leser wieder einmal mit einigen Fragen zurück, bevor die Perspektive erneut wechselt. Um zu erklären wie es zu dieser Situation gekommen ist springt die Handlung ein weiteres mal in das Jahr 1851.

Das "Human Rights Watch" erst seit 1988  unter diesem Namen agiert ist davon auszugehen, dass zwischen den verschiedenen Erzählsträngen mehr als 130 Jahre liegen dürften.

Zwei Frauen gegen ein Königreich

Im Jahre 1851 – im Rahmen der ersten Weltausstellung – kommt es zu der schicksalshaften Begegnung zweier junger Frauen aus (vermutlich) unterschiedlichen Schichten, die sich unvermittelt dem herrschenden System gegenüber sehen. Da wäre zum einen die junge Jennifer Winterfield aus gutem Hause und die Japanerin Kita welche zu der damaligen Zeit zum Gegenstand der Weltausstellung gemacht wurde und über die am Anfang recht wenig bekannt ist.

© SPLITTER Verlag

Schnell wird klar, dass dies eine Geschichte von Recht und Unrecht ist und unter anderem Position und Wertesystem von Mann und Frau zum Thema hat. Dabei wird dem geschichtsbedingten Unterschied der Geschlechter sehr schonungslos Ausdruck verliehen. Unter anderem zeichnet sich die Geschichte durch Gewalt und reichlich nackte Haut aus, unterstreicht dadurch aber zielsicher die raue und harte Welt in der die Frauen damals leben mussten.

Ich will nicht zu viel über den Inhalt der Geschichte verraten, zumal der erste Band auch nur erahnen lässt wie sich das Ganze entwickelt und dabei einige Fragen aufwirft.

SHI erzählt die Geschichte von zwei Frauen die stark sind und die wahrscheinlich noch stärker werden müssen – im Kampf gegen das Königreich! Am Anfang war die Wut...

Dieses Rezensionsexemplar wurde mir freundlicherweise vom SPLITTER Verlag zur Verfügung gestellt.

 

*Unter Duplexdruck versteht man im Allgemeinen, dass ein Graustufen-Bild zusammen mit einer zweiten Farbe (meistens mit einer Schmuckfarbe) gedruckt wird. Hierbei muss das Bild speziell farbsepariert werden. Durch den Duplexdruck wird die Wirkung des Bildes verstärkt. (Quelle: Wikipedia)

Das sagt der Leif dazu...

„SHI offenbart sich als text- und bildgewaltiges Werk in einer rauen und brutalen von Männern dominierten Welt. Die Geschichte um zwei jungen Frauen, die sich dem Königreich von England entgegen stellen (müssen) ist dabei spannend über verschiedene Erzählebenen gesponnen.

Thematisch bedingt geizt das Werk nicht mit Gewalt und der Darstellung von nackten Tatsachen und ist daher – wenig verwunderlich – auch eher für erwachsenes Publikum gedacht.

Ich bin sehr gespannt wie es weitergeht...“

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